„Praktisch, nah und unkompliziert“

Der DB Medibus wird wichtiges Hilfsmittel beim Vorantreiben der Impfkampagne: unbürokratisch und nah an der Lebenssituation der Menschen.

„Das war für mich der Weg des geringsten Widerstands. Praktisch, nah und unkompliziert“, sagt Martin Löw und ergänzt: „Ich wohne hier gleich um die Ecke.“ Der Weiterstädter war einer von über 200 zu Impfenden, die sich am Samstag im neuen Impfbus des Landkreises ihre Injektion gegen Corona abgeholt haben, und er hat sich gefreut, dafür nicht extra ins Impfzentrum nach Pfungstadt fahren zu müssen. Im Rahmen der Aktion „Ärmel hoch on Tour“ haben sich 60 Helfer von DRK und Johannitern auf dem Segmüller-Gelände in Weiterstadt eingefunden und von 9 Uhr bis 21 Uhr geimpft.

Von mobilen Impfzentren hatte man bereits gehört, aber der Bus, der war neu. Es war sein erster Einsatz für den Landkreis und Landrat Klaus Peter Schellhaas war deshalb auch extra vor Ort: „Das ist eine großartige Möglichkeit, einfach noch mehr impfen zu können. Wir schaffen hier eine Chance für Leute, die nicht mobil sind, um ins Impfzentrum zu kommen, oder die keinen Termin beim Hausarzt bekommen, möglicherweise noch nicht einmal einen Hausarzt haben. Das Ganze ohne Schlangen und Wartezeiten, und wir können auch in soziale Brennpunkte oder abgelegenere Orte fahren und da den Leuten ein Angebot machen.“

Nun denkt man bei „Bus“ vermutlich zuerst einmal an einen Linienbus mit Kaugummi an den Rückenlehnen, doch: „Das ist kein umgebauter Passagierbus, sondern ein eigens dafür ausgerüsteter Spezialbus, der auch Medibus genannt wird, also eine fahrende Arztpraxis“, erklärt Florian Stein, Marktmanager der DB Regio Bus Mitte. 12,70 Meter ist er lang, knallrot, konstruiert von Fachleuten und ausgestattet mit allem, was auch ein Hausarzt in seiner Praxis hat.

„Im vorderen Bereich befindet sich die Verwaltung und ein kleiner Wartebereich“, erklärt Stefan Rogge, stellvertretender Leiter des Impfzentrums in Pfungstadt und für die Johanniter im Einsatz. „Dahinter ist der erste Impfraum mit Liege und ärztlichem Zubehör.“

Es ist tatsächlich wie im Sprechzimmer eines niedergelassenen Arztes, nur deutlich enger. Alles ist hell und klimatisiert. Der Strom für technisches Gerät und Kühlung wird von einer Solaranlage auf dem Dach erzeugt. „In der Mitte des Busses befinden sich ein Labor sowie die Kühlgeräte, bei denen niedrigste Temperaturen möglich sind. Da ist allerdings alles verschlossen, damit kein Unbefugter Zugriff hat. Weiter hinten ist noch ein zweiter Behandlungsraum.“ Vor dem Bus kann eine Markise ausgefahren werden, damit die Geimpften noch die vorgegebenen 15 Minuten nach der Injektion sonnengeschützt unter Beobachtung vor dem Bus warten können. Landrat Schellhaas ergänzt: „Der Vorteil gegenüber dem herkömmlichen mobilen Impfen in Zelten ist einfach, dass man hier nicht groß auf- und abbauen muss, sondern man kann auch mal nur für ein paar Stunden zu einem Standort in unseren Gemeinden fahren. Selbst wenn wir da nur zehn oder 15 Leute impfen, ist das doch ausgezeichnet. Jede Impfung zählt!“

Insgesamt sind fünf solcher Medibusse derzeit deutschlandweit unterwegs, zwei davon im vom Hochwasser betroffenen Ahrgebiet. Die Deutsche Bahn Regio Mitte ist Besitzer dieser fahrenden Arztpraxen im Wert von je 400 000 Euro, und sie verleiht die Busse auf Anfrage. In diesem Fall hat der Landkreis nachgefragt und dafür keine Kosten gescheut. 20 000 Euro kostet das Fahrzeug im Monat inklusive Fahrer, aber: „Das darf man nicht gegenrechnen. Jeder verhinderte schwere Verlauf mindert das Leid. Das ist unbezahlbar“, sagt Rainer Leiß, Leiter des Verwaltungsstabs im Landkreis, und er erklärt weitere Ziele: „Wir wollen überall dorthin, wo die Menschen leben, einkaufen und ihre Freizeit verbringen. Mit dem Bus sind wir flexibel und können uns beispielsweise auch mal sonntags ans Schwimmbad stellen und dort eine Impfung anbieten.“

Erik O. Martin vom DRK und Leiter des Impfzentrums Reinheim, freut sich darüber, dass das mobile Impfen so gut angenommen wird und betont: „Es ist alles völlig unbürokratisch. Jeder über 16 Jahren kann spontan kommen. Unterlagen gibt es vor Ort, und nach 20 Minuten ist alles vorbei. Mal haben die Johanniter den Bus, mal das DRK. Wir arbeiten da perfekt Hand in Hand.“

Und die Hilfsbereitschaft des Möbelhauses hat besonders Landrat Schellhaas gefreut. „Wir haben hier eine riesige Fläche zur Verfügung gestellt bekommen, und unsere Helfer werden fürsorglich verpflegt. Das ist nicht selbstverständlich. Es besteht da einfach eine große Hilfsbereitschaft.“

Quelle: echo-online.de, 02. August 2021

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